06 Mai

Wenn es dir wichtig ist, gibt es kein OB sondern nur ein WIE – Ein Interview mit Olga Dick der Geschäftsführerin von Amoonìc.

Im Jahr 2011 gründeten Olga Dick und Sabine Linz die Amoonìc GmbH. Angetrieben von ihrem Ehrgeiz und der Liebe für Schmuck, entstand die Idee eines Online-Juweliers für individualisierbaren Echtschmuck. Heute beschäftigen die beiden Geschäftsfrauen rund 22 Mitarbeiter und Amoonìc hat sich als Marke etabliert. „Wir machen aus unserem Unternehmen, den aufregendsten Ort der Welt!“ ist das Motto unter dem tagtäglich traumhafte Schmuckstücke entstehen, die ihre Kunden begeistern.
(www.amoonic.de)

Mit Olga durfte ich ein sehr authentisches – von Mutter zu Mutter und Unternehmerin zu Unternehmerin – und erfrischendes Interview führen.

Liebe Olga, ich habe gelesen, dass du während der Gründung von Ammonìc 2011 deine Tochter bekommen hast. Wie hast du diese Phase gemeistert? Man verbindet doch mit Unternehmensgründungen eher 60 Stunden Wochen. Wie geht das?

Ja, meine Tochter kam mitten in der Gründung zur Welt und ich habe selbst im Krankenhaus Mails gecheckt. Zwei Wochen nach der Entbindung reichte ich auch den EXIST-Antrag (ein Programm zur Förderung von Gründungen).
Zum Glück war meine Tochter ein Vielschläfer und ich habe Prioritäten gesetzt. Mein Kind und die Gründung standen an erster Stelle. Ich durfte von mir also beispielsweise keine perfekte Haushaltsführung erwarten.
Bei der Betreuung meiner Tochter unterstützten mich meine Mutter und Oma. Zu einem längeren Termin mit dem Steuerberater kam meine Mutter beispielsweise mit und sie lief während meines Gesprächs mit meinem Kind im Gang auf und ab. In Pausen konnte ich somit auch stillen.
Ich hatte auch nie Zweifel an meinem Vorhaben zu Gründen. Es gab nie die Frage OB, sondern immer nur WIE.
Mein wichtigste Erfahrung aus der Zeit war jedoch, dass ich mich manchmal selbst vergessen habe. Darauf achte ich mittlerweile.

Wie seid ihr als Gründungsteam du, Sabine, Michael und Andreas miteinander in dieser Phase umgegangen? Wie habt ihr die Arbeit aufgeteilt?

Natürlich hatten die anderen im Team Bedenken, auch weil wir keine jahrelangen Freunde waren, sondern uns zum Gründen gefunden haben.
Ich habe es offen angesprochen und auch Verständnis gezeigt, dass sie ihre Zweifel an meinem Engagement haben dürfen. Meine klare Botschaft war allerdings, dass mein Wunsch des eigenen Unternehmens bestehen bleibt und ich trotz allem alles geben werde.
Im Nachhinein kann ich sagen, dass wir einen sehr verständnisvollen Umgang untereinander hatten.
Für mich habe ich daraus gelernt Prioritäten zu setzen und dass es auch möglich ist in wenigen Stunden produktiver Arbeit mehr zu erreichen, als teils an einem ganzen Tag – eben weil einfach keine 16 Std. Tage möglich waren.
Mit dem Übergang in die Krippe wurde das Leben dann wieder „normaler“ was jedoch nicht heißt, dass man es nicht annehmen muss, wenn das Kind krank ist. Dann ist das eben so und man muss das Tempo runterschalten.

Wie regelst du heute für dich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Mein Sohn ist heute fast ein Jahr und ich bin diesmal klassisch in Elternzeit. Durch neue Technologien und Tools z.B. virtuelle Teams habe ich, ohne vor Ort im Unternehmen zu sein, Einblick in vieles und kann somit manchmal steuern oder Tipps geben.
Mein Team kommt auch ohne mich gut klar, da wir meine Elternzeit über drei bis vier Jahre vorbereitet haben, in denen wir einen Kollegen in der Geschäftsführung in meinen Aufgaben fit gemacht hatten. Meine Gründungspartnerin hat mittlerweile auch schon zwei Kinder und hier haben wir ebenfalls während der Elternzeit ihre Aufgaben unter uns aufgeteilt. In solchen Situationen ist ein Gründungsteam von 4 Personen schon sehr von Vorteil und natürlich die gute Vorbereitung.
Im Laufe des Jahres, sobald ich einen Krippenplatz für meinen Sohn habe, komme ich wieder ins Unternehmen zurück und starte neu durch. Wobei ich sagen muss, dass ich mit Leib und Seele Unternehmerin bin, mein Kopf oft beim Unternehmen ist und ich Lösungen oder Ideen beim schieben des Kinderwagens finde. Für mich ist die Verbindung von Arbeit und Leben etwas Natürliches und mich belasten meine Gedanken zum Unternehmen nicht.

Kommen wir zu Amoonìc: Wie würdest du eure Unternehmenskultur beschreiben? Lebt ihr bestimmte Werte?

Ja, wir leben Werte, aber ohne sie jetzt an die Wand zu hängen. Wir als Gründerteam legen Wert auf gegenseitige Ehrlichkeit und leben Transparenz – im Sinne, dass wir gemeinsam arbeiten und nicht jeder im stillen Kämmerchen sein eigenes Süppchen kocht. Freiheit ist uns sehr wichtig. Von niemanden wird erwartet am Arbeitsplatz zu kleben, denn viele Ideen kommen wo anders. Ich ermutige meine Mitarbeiter auch mal den Arbeitsort zu wechseln, ob es jetzt der Aufenthalt in unserer Küche ist oder sie gehen in die Natur. Ein wenig absprechen muss man sich hier natürlich, dass nicht alle raus gehen und das Telefon ist nicht mehr besetzt.
Zudem geben wir allen Mitarbeitern zu Beginn einen Vertrauensvorschuss. Wir glauben, dass jeder etwas besonders gut kann und sind geduldig und flexibel während der persönlichen Entwicklung. Auch bei ganz neuen Aufgaben, jeder darf seine Leidenschaft finden. Daneben unterstütze ich unsere Mitarbeiter mit Coaching, höre ihnen zu und gebe Tipps um ihnen zu ermöglichen selbst zu wachsen.

Wie realisiert ihr die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für eure Mitarbeiter?

Punkt eins und der wichtigste ist Verständnis haben. Verständnis zu haben, dass an einem Punkt im Leben der Kinderwunsch besteht. Kinder sind bei uns willkommen und etwas ganz Natürliches! Klar ist die Elternzeit etc. eine finanzielle Belastung für das Unternehmen, aber das ist ok für uns. Bei uns muss keine Mitarbeiterin Angst davor haben uns mitzuteilen, dass sie schwanger ist. Bei uns wird offen damit umgegangen und wir wussten sogar bei einer Mitarbeiterin ungefähr wann sie Kinder plant.
Sind Kinder krank, ist das einfach so und wir zeigen Verständnis, denn durch ein schlechtes Gewissen der Mutter wird ein Kind nicht weniger krank.

Wie findet ihr neue Mitarbeiter*innen und wählt sie aus?

Ja, das ist die Königsdisziplin und ein Lernprozess für uns als Unternehmer. Man eignet sich hierfür über die Jahre Menschenkenntnis an und sollte sich auch etwas für Psychologie interessieren.
Aber grundsätzlich müssen neue Mitarbeiter zu unseren Werten passen und ein ähnliches Mind Set haben. Die Fähigkeiten sind schon wichtig, jedoch nachrangig.
Die Einarbeitung haben wir mittlerweile viel mit Videos gestaltet, so können sich neue Mitarbeiter viele Dinge selbst beibringen und das Lernen – auch für bestehenden Mitarbeiter – fällt mit Hilfe der Videotutorials leichter.

Zum Abschluss noch: Was war dein wichtigstes Learning der letzten Jahre?

Ich muss kein schlechtes Gewissen haben. Normalerweise hat man, ist man beim Kind, ein schlechtes Gewissen dem Unternehmen gegenüber und andersherum, ist man in der Arbeit denkt man wieder ans Kind. Wichtig war mir einzugestehen, dass ich alles so gut mache, wie ich es kann. Einfach mein bestes gebe und ich keine Maschine oder Roboter bin.
Viele Fragen mich, ob ich gut schlafen kann. Ja, das kann ich, weil ich erstmal nichts muss und den Rest mache ich so gut ich kann.

In diesem Sinne, bedanke ich mich nochmals für das wunderbare Gespräch und irgendwann schaffen wir es mal auf einen Kaffee!

Beitragsbild: pixabay.de – photochur