26 Feb

Tausend Gründe für Teilzeitarbeit

Oh, naja, Tausend bekomme ich nicht aufgezählt, aber doch einige. Beginnen wir mit dem naheliegensden Grund: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Familie braucht nun mal Zeit und viele würden nun ganz platt sagen, warum habe ich denn eine Familie, wenn ich keine Zeit für sie habe? Was kostet uns die meiste Zeit des Tages – die Arbeit. Also wird hier reduziert. Meist macht das die Frau, aber auch viele Väter würden gerne in Teilzeit arbeiten. Moderne Paare möchten die Kinderbetreuung gleichberechtigt aufteilen. Hierzu würden sich zwei Arbeitsstellen mit reduzierter Vollzeit (z.B. 80%) anbieten. Neben der Vereinbarkeit gibt es noch weitere Lebensumstände, die die Reduktion von Arbeitszeit erfordern. Die Pflege von Angehörigen beispielsweise. Dabei muss der zu pflegende Angehörige nicht mal mit im Haushalt leben. Wer bereits mit pflegebedürftigen bzw. unterstützungsbedürftigen Menschen zu tun hatte, weiß, dass selbst bei geringem Pflegeaufwand, wie Einkaufen, das Erledigen von Botengängen und sonstigen Unterstützungsaktivitäten, wenn derjenige noch in seinen eigenen vier Wänden wohnt, immens zeitaufwändig ist. Ein weiterer Grund für Teilzeit ist die Altersteilzeit. Ab dem 55. Lebensjahr haben Arbeitnehmer die Möglichkeit in Altersteilzeit zu gehen um einen gleitenden Übergang in die Rente zu gestalten. Die Gründe für Altersteilzeit sind vielfältig. Man möchte vielleicht mit seinem*r Lebenspartner*in mehr Zeit verbringen und reisen oder entdeckt neue Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung. Manch einer möchte auch nur einen gleitenden Übergang in die Rente und schon vorher weniger arbeiten. Das ist auch bereits der nächste Punkt für die Arbeit in Teilzeit. Der Trend zur Erhöhung der Lebensqualität und Selbstverwirklichung nimmt weiter zu. Vielleicht will man neben der Arbeit sich noch mit der Leidenschaft, die einen bereits seit Jahren begleitet, selbständig machen. Das ist auch finanziell nicht mal ungeschickt. Das werde ich jedoch in einem gesonderten Beitrag genauer beleuchten. Ein anderer Grund ist auch einfach die Stressbelastung zu reduzieren. Eine Vollzeitstelle umfassen auf dem Papier 40 Wochenstunden, jedoch ist hier kein Arbeitsweg mit eingerechnet. Bei einer 80% Stelle, beispielsweise der Reduktion auf eine 4-Tage-Woche, spart man zusätzlich an einem Tag den Weg zur Arbeit. Bei einem halbstündigen Arbeitsweg ist das eine Stunde zusätzlich pro Woche. Die Techniker Krankenkasse hat in der Studie „Entspann dich Deutschland“ herausgefunden, dass Teilzeitarbeitnehmer weniger von der Arbeit gestresst sind. Die Arbeitszeit also im direkten Verhältnis zum Stressempfinden steht. Weniger Wochenstunden bedeuten somit weniger Stress. Ist das Stresslevel insgesamt geringer, ist man grundsätzlich leistungsfähiger. So kann bei weniger Arbeitszeit bessere Arbeit geleistet werden. Die Vier-Tage-Woche bei Bike Citizens wird beispielsweise als Vollzeitwoche bezahlt. Anfangs wurde wegen der geringeren Arbeitszeit auch ein niedrigeres Gehalt ausbezahlt. Da allerdings die Umsätze durch die effizientere Arbeitsweise stiegen, liegt das Gehalt mittlerweile wieder auf Vollzeitniveau. Weniger Arbeitszeit muss folglich nicht gleich weniger Gehalt bedeuten. Und selbst, wenn weniger Gehalt übrig bleibt, hat man im Vergleich einen höheren Netto-Stundenlohn. D.h. Man arbeitet zwar 80% bekommt jedoch 83% seines Netto-Gehalts (bei 3000€ Brutto und Lohnsteuerklasse I im Teilzeit-Netto-Rechner berechnet). Es spricht folglich relativ viel für die Arbeit in Teilzeit – mit einer fairen Gestaltung der Teilzeitstelle. Letztendlich kommt es jedoch darauf an, wieviel Zeit Jede*r für die Arbeit aufbringen kann oder möchte. Wichtig ist vielleicht noch, dass es unterschiedliche Arten von Teilzeit gibt. Oftmals hat man eine halbe Stelle also meist 20 Wochenstunden im Kopf, wenn das Gegenüber von Teilzeit spricht. Grob lässt sich Teilzeit in verschiedene Modelle einteilen: Teilzeit Die klassische Teilzeitstelle bewegt sich zwischen 15 und 30 Stunden pro Woche und diese werden entweder in mehrere halbe Tage oder z.B. bei 20 Wochenstunden in 2,5 Tage aufgeteilt. Reduzierte Vollzeit Man geht hierbei von ca. 80% der Vollzeittätigkeit aus, also mehr als 30 Std in der Woche. Meist wird hierbei die Arbeitswoche auf vier Tag verkürzt oder nur an zwei Tagen halbtags gearbeitet. Tandems Im Tandem oder Jobsharing teilen sich zwei Teilzeitkräfte eine Vollzeitstelle oder eine Position, die auch mehr als eine Vollzeitstelle ausfüllen könnte. Auch Unternehmensführungen gibt es bereits im Tandem. Herausforderung ist hierbei die ständige Kommunikation der Tandempartner und eine effiziente Aufteilung der Aufgaben. Teilzeit ist somit nicht Teilzeit und je nach persönlichen Prioritäten überwiegt der Zugewinn an Lebensqualität sowie die Reduktion an Stress im Vergleich zu den Gehaltseinbußen. Wie man mit geschickter Planung und Teilzeitarbeit trotzdem den Lebensstandard im Vergleich zu einer Vollzeitstelle halten kann – im nächsten Beitrag.