14 Dez

Sie haben 3 Kinder? Hätte ich das gewusst…

…dann hätte ich sie nicht zum Bewerbungsgespräch eingeladen.

Aber nun mal von vorne:

Wie ihr bestimmt mitbekommen habt, coache ich seit Mitte des Jahres Mamas in den Job. Bei so mancher sind es ein paar Stellschrauben, die man drehen muss oder es fehlt nur am Mut selbstbewusst eine Mama zu sein. Doch gibt es immer wieder Erlebnisse, die einfach total daneben sind. So auch die Geschichte einer Mutter bei mir im Coaching. Wir nennen sie mal Franzi.

Franzi hat vor ihrer Mutterschaft sehr lange bei einer guten Textileinzelhandelskette gearbeitet, die sehr sehr viel Wert auf Kundenberatung legt. Dementsprechend toll kann sie verkaufen und sie ist stets modisch gekleidet (sollte ich mir mal was davon abschneiden).
Jetzt sucht sie eine Teilzeitstelle im Einzelhandel und hatte, nachdem wir den Lebenslauf und Anschreiben überarbeitet haben, auch schon einige Vorstellungsgespräche. Probegearbeitet hat sich auch bereits, vor über einem Monat, aber bis heute keine Info erhalten ob sie den Job hat oder nicht. Begeistert waren sie dort jedenfalls.
Auch bekam sie auf jede Bewerbung immer eine Eingangsbestätigung, aber Absagen sind oft Fehlanzeige. Die beste Bestätigung war, dass wenn sie nach vier Wochen nichts vom Unternehmen hört, sie es als Absage werten kann.
Und nun zum Abschuss: Ein Vorstellungsgespräch bei einem Textilunternehmen. Sogar flexibel könnte sie sein, da sie nebenan wohnt. Am Telefon war die Bezirksleiterin schon nicht wirklich ein Sympathieträger, also fiel die Vorbereitung auf das Gespräch so gründlich wie noch nie aus.
Zitat der Bezirksleitung: Wie sie haben 3 Kinder? Hätte ich das gewusst, hätte ich sie gar nicht eingeladen. Das müssen sie in den Lebenslauf schreiben. Die Zeit für das Gespräch hätten ich mir sparen können, denn mit 3 Kindern sind sie nicht flexibel. Nicht dass ich keine Kinder mag…

Verrückt, aber was man als jobsuchende Mutter aushalten muss, vor allem wenn man im Einzelhandel arbeiten möchte. Sie macht den Beruf zudem gerne macht und will folglich auch nicht umschulen. Wir machen einfach weiter. Irgendwann kommt der richtige Arbeitgeber.
Zukünftig sollte so manche Mama auch Frustrationstoleranz als Kompetenz in ihre Bewerbung schreiben!

P.S: Das Bild zeigt den Ausschnitt eines Bewerbungsformular eines Einzelhandelsunternehmens. Im Rahmen der Anmeldung (Pflegeversicherung) macht die Abfrage der Geburtsurkunde Sinn, aber ob das bei Bewerbung sein muss? Die Sozialversicherungsnummer fragen sie auch nicht ab…