08 Jan

Buchrezension – Beruf+Familie passt! von Nicole Beste-Fopma

[Werbung – unbezahlt]

Endlich finde ich Zeit euch den Ratgeber vorzustellen, der zeigt, was alles geht und nicht, was nicht geht.

Der Untertitel ist bereits vielversprechend: „So finden Eltern den richtigen Arbeitgeber“ und was ich sehr gut finde, die Autorin beginnt nicht mit der Jobsuche sondern viel früher, nämlich der Klärung der Rahmenbedingungen in der Familie und den Erwartungen der einzelnen Personen. Es kommt nämlich immer wieder vor, dass kurz vor der Vertragsunterschrift abgesprungen wird, weil zuhause doch nicht alles geklärt war.
Zudem werden verschiedene Arbeitsmodelle vorgestellt, denn Teilzeit ist oft nicht gleich Teilzeit.
Sehr hilfreich finde ich die vielen Checklisten beispielsweise einen Wochenarbeitsplan für den Haushalt, Kinder, Partnerschaft und Ich-Zeit oder eine Checkliste zur Kinderbetreuung.

Was ebenfalls nicht vergessen wird ist, die Pflege von Angehörigen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man hier erstmal komplett überfahren ist, wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird  und es extrem viel Zeit kostet sich um alles zu kümmern. Eigentlich ist das (fast) wie ein zusätzliches Kind.

Ab dem dritten Kapitel geht es konkret um die Jobsuche. Vorrecherchen nach familienfreundlichen Unternehmen über Netzwerke (audits, Siegel, Bewertungsplattformen etc.), wie ich in Kurzform bereits in Beitrag familienbewusste Unternehmen beschrieben habe, durchsuchen verschiedener Kommunikationskanäle, Medien und Stellenanzeigen der Unternehmen werden beschrieben. Offline wird auf den Tag der offenen Tür beim Unternehmen und Messebesuche eingegangen.
An dieser Stelle fehlt mir der versteckte Stellenmarkt. Ein großer Teil der Stellen wird hierüber besetzt was ich ebenfalls schon in einem Artikel beschrieben habe.
Auch kommt mir das Netzwerken zu kurz. Im Coaching habe ich durch Kontakte schon vielen Bewerbern die Türen in Unternehmen geöffnet. Das Bewusstsein, dass man über seine Jobsuche mit Bekannten reden sollte, weil die vielleicht Ideen haben oder jemanden kennen ist sehr wichtig.

Die kommenden Kapitel geben Tipps für das Bewerbungsschreiben und das Vorstellungsgespräch. Auch der Umgang mit Vollzeitstellen, wenn man eigentlich Teilzeit arbeiten möchte, wird reflektiert. Die übliche Frage, packe ich die Kinder in den Lebenslauf oder nicht, wird ebenfalls diskutiert.
Schön finde ich die vielen Argumentationshilfen für das Vorstellungsgespräch und Tipps für den Umgang mit den rechtlich nicht erlaubten Fragen.

Hat es schließlich mit dem Job geklappt geht es in den letzten beiden Kapitel um das Thema Karriere mit Kindern und durchstarten über 40. Hier finden sich unter anderem Themen wie Führen in Teilzeit, Top-Sharing und Stellensuche mit Personalberatern.

Zusammengefasst ist es ein guter und auch sehr gut recherchierter Ratgeber zur Josuche.
Was mir allerdings fehlt ist der große Bereich der Jobsuche, die nicht klassisch über Bewerbung und Vorstellungsgespräch läuft. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass die meisten Eltern ihren Arbeitsplatz über Eigeninitiative gefunden oder auch gestaltet haben. Die Leser, die neue und innovative Wege zur Jobsuche erwarten, werden leider enttäuscht. Jedoch ist es ein gutes Buch um sich über die eigenen Rahmenbedingungen im familiären Umfeld klar zu werden und um sich zu überlegen, welches Arbeitsmodell am besten zu einem passt. Die Argumentationshilfen sind auch gut um den aktuellen Arbeitsgeber beispielsweise zu überzeugen etwas an den Rahmenbedingungen zu schrauben.

Ich würde mal sagen, ein guter Anfang bei der Jobsuche und vor allem leicht zu lesen durch die vielen Übersichten und Checklisten.

Eure Astrid

04 Dez

Familienbewusste Unternehmen – was ist das und wie finde ich sie?

Viele Unternehmen schreiben auf Ihre Homepage, sie sind familienfreundlich und stellen einen Maßnahmenkatalog zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor.
In diesem Zusammenhang taucht ebenfalls immer wieder der Begriff „familienbewusst“ auf.
Ist das das Gleiche?
Macht man sich einmal mit der Begrifflichkeit vertraut, lassen sich schnell Unterschiede feststellen.

Familienfreundlich oder familienbewusst – was ist der Unterschied?

Familienfreundlich nennen sich viele Unternehmen. Sie schreiben es sich auf die Fahne, aber sind sie sich auch darüber bewusst, was es heißt Mitarbeiter mit Familie zu unterstützen? Genau das ist der Unterschied. Familienbewusste Unternehmen nehmen ihre Mitarbeiter individuell war und gehen auf ihre Bedürfnisse ein. Ein familienfreundliches Unternehmen kann also familienbewusst sein, muss es aber nicht. Denn zum Familienbewusstsein oder allgemein einem Bewusstsein über die Bedürfnisse ist Kommunikation auf Augenhöhe mit den Mitarbeitern und gelebte familiäre Unternehmenskultur notwendig – also das, was wir uns eigentlich vorstellen.
Somit aufpassen, nicht überall wo familienfreundlich draufsteht ist eine familienbewusste Unternehmenskultur drin!

Fangen wir nun aber mal einfach an. Welche Unterstützungsmöglichkeiten können Unternehmen Eltern oder auch pflegenden Angehörigen geben?

Hierzu habe ich die Angebote der Unternehmen auf der Initiative familienbewusste Personalpolitik genauer angesehen und zusammengefasst.

Arbeitszeiten:

  •  flexible Arbeitszeiten (auch bei akuten familiären Pflegefällen)
  • Arbeitszeiten passend zur Kinderbetreuung
  • Homeoffice
  • Familienpflegezeit (Stundenreduktion auf Zeit)

Kinderbetreuung:

  • Ferienbetreuung (Feiertagsbetreuung z.B. Buß- und Bettag)
  • Betriebskindertagesstätte
  • Notfallbetreuung

Finanzielle Zuschüsse:

  • Zuschuss zur Kinderbetreuung

Information und Gesundheitsmanagement:

  • Familienorientierte Information, Beratung und Seminare (auch für pflegende Angehörige)
  • Weiterbildung während der Familienpause
  • Kurse zur Erhaltung der Gesundheit

Betriebsorganisation:

  • Begleiteter Wiedereinstieg nach der Elternzeit
  • Vertretungsregelung
  • Sensibilisierung der Führungskräfte
  • offene Kommunikationskultur

 

Interessanterweise führen nur zwei Unternehmen die offene Kommunikationskultur und ein Unternehmen die Sensibilisierung der Führung an. Dabei sind diese beiden Punkte mit die wichtigsten Eigenschaften zur Schaffung eines familienbewussten Unternehmens.
Ohne diese Eigenschaften können Unternehmen familienfreundliche Maßnahmen anbieten, jedoch wird es in verschiedenen Abteilungen und Teams verschiedene Umsetzungen geben. Ich denke, viele kennen den Gruppendruck im Team, wenn einem eine Kindergartenkeimwelle erreicht hat und nacheinander alle in der Familie krank werden. Verständnis und Bewusstsein der direkten Kollegen und der Führungskräfte, dass es manchmal einfach so ist, ist gefragt und keine Hochglanzversprechen.
Wenn man sich folglich ein Unternehmen genauer ansieht ist es somit extrem wichtig – neben den allgemeinen Maßnahmen zur Vereinbarkeit – sich das Team und die Führungskraft anzusehen.

Welche weiteren Hinweise gibt es um familienbewusste Unternehmen herauszufinden?

Zertifikate und Netzwerke geben hier einen guten Überblick:
Das audit berufundfamilie unterstützt Arbeitgeber familien- und lebensphasenbewusste Maßnahmen einzuführen und in der Unternehmenskultur zu verankern.
Auf der Homepage des audit berufundfamilie sind alle zertifizierten Unternehmen aufgezählt mit einer Liste der bereits eingeführten Maßnahmen und geplanten Maßnahmen. Die zertifizierten Unternehmen finden Sie hier.

Das Netzwerk erfolgsfaktor Familie unterstützt Unternehmen bei der Gestaltung einer familienbewussten Personalpolitik. Eine Garantie für die Umsetzung gibt das Netzwerk zwar nicht, jedoch kann man davon ausgehen, dass sich die Mitglieder mit Vereinbarkeit von Familie und Beruf auseinandersetzen. Eine Mitgliederübersicht gibt es hier.

Die Initiative familienbewusste Personalpolitik stellt auf Ihrer Homepage überwiegend die großen Unternehmen der Region vor. Hier werden auch die Maßnahmen der einzelnen Unternehmen vorgestellt. Mehr dazu hier.

 

Kleine Unternehmen

Es gibt natürlich auch Arbeitgeber, die ihre Familienbewusstheit nicht nach außen kommunizieren. Oftmals sind das kleine inhabergeführte Unternehmen, deren Unternehmenskultur generell familiär geprägt ist. Zudem finden sich hier flache Hierarchien, die eine direkte und einfache Kommunikation ermöglichen. Jeder kennt jeden, was in vielen Fällen Vorteile mit sich bringt. Hat der oder die Inhaber*in zusätzlich selbst Kinder oder Erfahrung mit der Pflege von Angehörigen erhält man weitaus mehr Verständnis und Unterstützung, als es die meisten Maßnahmen zur Gestaltung der Familienfreundlichkeit ermöglichen.

Nur diese Unternehmen zu identifizieren ist schwer.
Hierbei ist Netzwerken beispielsweise hilfreich. Vielleicht kennt man jemanden, der in einem Unternehmen arbeitet, dass eine familienbewusste Unternehmenskultur lebt. Die Aussagen der Mitarbeiter sind hierbei ebenfalls weitaus mehr wert als Versprechen auf der Homepage.
Viele Aussagen und Berichte von Mitarbeitern finden sich ebenfalls auf Bewertungsseiten wie kununu.de.
Durchforstet man diese Seiten sollte man jedoch eher vorsichtig sein. Jeder kann dort ein Unternehmen bewerten und überlegt selbst: Wann gebt ihr hauptsächlich eine Bewertung ab? Meist, wenn man sich über etwas ärgert. Folglich sind Bewertungen entweder richtig schlecht oder teils auch zu gut um wahr zu sein. Es kann nämlich sein, dass der Chef eine eigene Bewertung geschrieben hat oder andere dazu auffordert.
Versucht hier also zwischen den Zeilen zu lesen und Gemeinsamkeiten bei allen Bewertungen herauszufinden. Hiervon kann man dann ausgehen, dass es stimmt.

 

Zusammengefasst gibt es viele Maßnahmen, die Arbeitgeber anbieten können um sich familienbewusster aufzustellen. Ob diese gelebt werden und ob die zugehörige Unternehmenskultur herrscht z.B. hinsichtlich des Verständnisses gegenüber Care Arbeit und eine offene Kommunikation auf Augenhöhe mit den Mitarbeitern, lässt sich nur durch direkte Erfahrungsberichte der Mitarbeiter herausfinden.

Mama-sucht-Arbeit arbeitet  mit Unternehmen zusammen, die eine familienbewusste Kultur leben. Manchmal sind sie sich darüber vor unserer Zusammenarbeit gar nicht im Klaren, da sie ihren Mitarbeitern nicht die üblichen Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit anbieten, sondern einfach das tun, was für sie selbstverständlich ist.

In den nächsten Monaten werde ich euch hier auf dem Blog einige Unternehmen vorstellen und was sie genau machen um ihre Mitarbeiter zu unterstützen.

 

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