12 Feb

Wir müssen mal über Geld reden…

„Mir ist Geld nicht so wichtig. Ich lege wesentlich mehr Wert auf Vereinbarkeit“

„Hauptsache ich habe wieder einen Job, komme raus und kann ein bisschen was dazuverdienen“

Das sind nur zwei Sätze, die ich öfter bei meiner Arbeit höre und langsam macht mich das wirklich traurig. Ja, Vereinbarkeit durch zur Kinderbetreuung passender Arbeitszeiten, der Beitrag zur Familienkasse, die bezahlten Krankenversicherungsbeiträge oder ein bisschen Abwechslung im Leben sind wichtig, aber – jetzt muss ich Luftholen, sorry – ihr sollt auch was verdienen! Oder habt ihr vor den Kindern nichts verdient?

Vor kurzem ist es mir wieder passiert:
Ich handle mit dem Unternehmer ein Gehalt von 1800 € für 20 Std. aus und im Vorstellungsgespräch sagt die Dame dann folgendes: „Naja, ich kann auch 24 Std. in der Woche arbeiten und 1000€ netto genügen mir“ (Anmerkung, das entspricht einem Brutto von 1300€. D.h. bei dieser Aussage hat sich die Dame mal ratzfatz von einem Stundenlohn von ca. 21,40 € zu einem Stundenlohn zu 12,90 € reduziert. Das sind fast 40% weniger!). By the way, die 1800 € waren ihr im Vorfeld bekannt, da ich sie mit ihr abgesprochen hatte.

Das Traurige daran ist, dass mir das öfter passiert. Aussagen wie durch meine nicht vorhandene Flexibilität, kann ich nicht mehr so viel verlangen höre ich eigentlich andauernd. Als Unternehmer freut man sich natürlich riesig darüber, denn man bekommt eine gut qualifizierte Arbeitskraft für lau.

Jetzt kommt bestimmt gleich wieder der Einwand „aber sonst bekomme ich gar keine Arbeitsstelle, ich bin schließlich nicht flexibel“. Ein guter Einwand, aber die Rahmenbedingung ist nicht alles (das wird aktuell von der Politik sehr aufgebauscht, dazu schreibe ich demnächst garantiert auch was).
An den Rahmenbedingungen ist beispielsweise bisher bei mir keine Vermittlung gescheitert!
Dafür an der Kenntnis über die eigenen Fähigkeiten. Hä? Was hat das mit dem Gehalt zu tun, fragt ihr euch nun?
Gut, eine Grundlage in den Gehaltsverhandlungen ist die Kenntnis seiner eignen Fähigkeiten und Stärken. Denn nur, wenn ihr wisst, was ihr richtig gut könnt und auch warum, dann seid ihr in der Lage zu verhandeln.

Einfaches Beispiel: Vor euch liegen im Laden ein iPhone und so ein chinesische Billighandy. Von Aussen schauen die beiden mittlerweile ziemlich gleich aus. Beim Preisunterschied wird es einem aber fast schlecht. Kommt jetzt der Verkäufer um die Ecke, dann wird der euch aber ganz flott den Unterschied erklären, angefangen von der Leistung, dem Display bis hin zur Kamera gibt es garantiert Unterschiede. Er weiß also, was er verkauft. Wenn der Verkäufer gut ist, geht ihr mit dem teuren Gerät aus dem Laden und seid glücklich.

Also: Wenn ihr mehr Gehalt wollt, dann schreibt euch mal eine Liste, was ihr alles geleistet habt, was ihr gelernt habt und warum ihr manche Dinge besser macht als viele andere. Am besten sucht ihr euch dazu noch Beispiele. Und nein, es ist nicht alles selbstverständlich.
Mit dieser Liste geht ihr selbstbewusst in Gehaltsverhandlungen (ja, ich weiß, das ist leichter gesagt als getan) und holt euch, was ihr verdient.
Und bitte lasst die Rahmenbedingungen weg. Wenn ihr wirklich überzeugend seid, dann lassen viele Chefs und Chefinnen mit sich reden (sofern es die Branche erlaubt, aber auch da gibt es Lösungen).

Noch abschließend:
Folgenden Kommentar habe ich auch schon mehrfach gehört: „Aber ich brauche doch gar nicht so viel Geld, was mache ich dann damit“. GANZ EINFACH: Fangt damit an eure Rentenlücke zu schließen…
Wenn ihr nicht wisst wie, schaut bei Madame Moneypenny vorbei.

Und nun auf, macht euch Gedanken darüber wieviel ihr Wert seid. Denn Bescheidenheit ist zwar eine Tugend und die wurde unteranderem auch mir eingeimpft, nur meine Miete zahlt die nicht.
(Wenn ihr gar keine Ahnung habt, wie ihr beginnen könnt oder noch ein ABER in den Raum werfen wollt, so schreibt mir, denn nur wenn wir darüber reden, finden wir Lösungen.)

Eure Astrid

 

Beitragsbild: pixabay.com – angelolucas

 

 

04 Dez

Familienbewusste Unternehmen – was ist das und wie finde ich sie?

Viele Unternehmen schreiben auf Ihre Homepage, sie sind familienfreundlich und stellen einen Maßnahmenkatalog zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor.
In diesem Zusammenhang taucht ebenfalls immer wieder der Begriff „familienbewusst“ auf.
Ist das das Gleiche?
Macht man sich einmal mit der Begrifflichkeit vertraut, lassen sich schnell Unterschiede feststellen.

Familienfreundlich oder familienbewusst – was ist der Unterschied?

Familienfreundlich nennen sich viele Unternehmen. Sie schreiben es sich auf die Fahne, aber sind sie sich auch darüber bewusst, was es heißt Mitarbeiter mit Familie zu unterstützen? Genau das ist der Unterschied. Familienbewusste Unternehmen nehmen ihre Mitarbeiter individuell war und gehen auf ihre Bedürfnisse ein. Ein familienfreundliches Unternehmen kann also familienbewusst sein, muss es aber nicht. Denn zum Familienbewusstsein oder allgemein einem Bewusstsein über die Bedürfnisse ist Kommunikation auf Augenhöhe mit den Mitarbeitern und gelebte familiäre Unternehmenskultur notwendig – also das, was wir uns eigentlich vorstellen.
Somit aufpassen, nicht überall wo familienfreundlich draufsteht ist eine familienbewusste Unternehmenskultur drin!

Fangen wir nun aber mal einfach an. Welche Unterstützungsmöglichkeiten können Unternehmen Eltern oder auch pflegenden Angehörigen geben?

Hierzu habe ich die Angebote der Unternehmen auf der Initiative familienbewusste Personalpolitik genauer angesehen und zusammengefasst.

Arbeitszeiten:

  •  flexible Arbeitszeiten (auch bei akuten familiären Pflegefällen)
  • Arbeitszeiten passend zur Kinderbetreuung
  • Homeoffice
  • Familienpflegezeit (Stundenreduktion auf Zeit)

Kinderbetreuung:

  • Ferienbetreuung (Feiertagsbetreuung z.B. Buß- und Bettag)
  • Betriebskindertagesstätte
  • Notfallbetreuung

Finanzielle Zuschüsse:

  • Zuschuss zur Kinderbetreuung

Information und Gesundheitsmanagement:

  • Familienorientierte Information, Beratung und Seminare (auch für pflegende Angehörige)
  • Weiterbildung während der Familienpause
  • Kurse zur Erhaltung der Gesundheit

Betriebsorganisation:

  • Begleiteter Wiedereinstieg nach der Elternzeit
  • Vertretungsregelung
  • Sensibilisierung der Führungskräfte
  • offene Kommunikationskultur

 

Interessanterweise führen nur zwei Unternehmen die offene Kommunikationskultur und ein Unternehmen die Sensibilisierung der Führung an. Dabei sind diese beiden Punkte mit die wichtigsten Eigenschaften zur Schaffung eines familienbewussten Unternehmens.
Ohne diese Eigenschaften können Unternehmen familienfreundliche Maßnahmen anbieten, jedoch wird es in verschiedenen Abteilungen und Teams verschiedene Umsetzungen geben. Ich denke, viele kennen den Gruppendruck im Team, wenn einem eine Kindergartenkeimwelle erreicht hat und nacheinander alle in der Familie krank werden. Verständnis und Bewusstsein der direkten Kollegen und der Führungskräfte, dass es manchmal einfach so ist, ist gefragt und keine Hochglanzversprechen.
Wenn man sich folglich ein Unternehmen genauer ansieht ist es somit extrem wichtig – neben den allgemeinen Maßnahmen zur Vereinbarkeit – sich das Team und die Führungskraft anzusehen.

Welche weiteren Hinweise gibt es um familienbewusste Unternehmen herauszufinden?

Zertifikate und Netzwerke geben hier einen guten Überblick:
Das audit berufundfamilie unterstützt Arbeitgeber familien- und lebensphasenbewusste Maßnahmen einzuführen und in der Unternehmenskultur zu verankern.
Auf der Homepage des audit berufundfamilie sind alle zertifizierten Unternehmen aufgezählt mit einer Liste der bereits eingeführten Maßnahmen und geplanten Maßnahmen. Die zertifizierten Unternehmen finden Sie hier.

Das Netzwerk erfolgsfaktor Familie unterstützt Unternehmen bei der Gestaltung einer familienbewussten Personalpolitik. Eine Garantie für die Umsetzung gibt das Netzwerk zwar nicht, jedoch kann man davon ausgehen, dass sich die Mitglieder mit Vereinbarkeit von Familie und Beruf auseinandersetzen. Eine Mitgliederübersicht gibt es hier.

Die Initiative familienbewusste Personalpolitik stellt auf Ihrer Homepage überwiegend die großen Unternehmen der Region vor. Hier werden auch die Maßnahmen der einzelnen Unternehmen vorgestellt. Mehr dazu hier.

 

Kleine Unternehmen

Es gibt natürlich auch Arbeitgeber, die ihre Familienbewusstheit nicht nach außen kommunizieren. Oftmals sind das kleine inhabergeführte Unternehmen, deren Unternehmenskultur generell familiär geprägt ist. Zudem finden sich hier flache Hierarchien, die eine direkte und einfache Kommunikation ermöglichen. Jeder kennt jeden, was in vielen Fällen Vorteile mit sich bringt. Hat der oder die Inhaber*in zusätzlich selbst Kinder oder Erfahrung mit der Pflege von Angehörigen erhält man weitaus mehr Verständnis und Unterstützung, als es die meisten Maßnahmen zur Gestaltung der Familienfreundlichkeit ermöglichen.

Nur diese Unternehmen zu identifizieren ist schwer.
Hierbei ist Netzwerken beispielsweise hilfreich. Vielleicht kennt man jemanden, der in einem Unternehmen arbeitet, dass eine familienbewusste Unternehmenskultur lebt. Die Aussagen der Mitarbeiter sind hierbei ebenfalls weitaus mehr wert als Versprechen auf der Homepage.
Viele Aussagen und Berichte von Mitarbeitern finden sich ebenfalls auf Bewertungsseiten wie kununu.de.
Durchforstet man diese Seiten sollte man jedoch eher vorsichtig sein. Jeder kann dort ein Unternehmen bewerten und überlegt selbst: Wann gebt ihr hauptsächlich eine Bewertung ab? Meist, wenn man sich über etwas ärgert. Folglich sind Bewertungen entweder richtig schlecht oder teils auch zu gut um wahr zu sein. Es kann nämlich sein, dass der Chef eine eigene Bewertung geschrieben hat oder andere dazu auffordert.
Versucht hier also zwischen den Zeilen zu lesen und Gemeinsamkeiten bei allen Bewertungen herauszufinden. Hiervon kann man dann ausgehen, dass es stimmt.

 

Zusammengefasst gibt es viele Maßnahmen, die Arbeitgeber anbieten können um sich familienbewusster aufzustellen. Ob diese gelebt werden und ob die zugehörige Unternehmenskultur herrscht z.B. hinsichtlich des Verständnisses gegenüber Care Arbeit und eine offene Kommunikation auf Augenhöhe mit den Mitarbeitern, lässt sich nur durch direkte Erfahrungsberichte der Mitarbeiter herausfinden.

Mama-sucht-Arbeit arbeitet  mit Unternehmen zusammen, die eine familienbewusste Kultur leben. Manchmal sind sie sich darüber vor unserer Zusammenarbeit gar nicht im Klaren, da sie ihren Mitarbeitern nicht die üblichen Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit anbieten, sondern einfach das tun, was für sie selbstverständlich ist.

In den nächsten Monaten werde ich euch hier auf dem Blog einige Unternehmen vorstellen und was sie genau machen um ihre Mitarbeiter zu unterstützen.

 

Bild: Pixabay.com – rawpixel

24 Apr

Vereinbarkeit und Pflegeberufe? Geht das? – Ein Interview mit dem Pflegedienstleiter des ASB.

„Mama gesucht“ – mit dieser Überschrift wirbt der Arbeiter-Samariter-Bund Bad Windsheim um Personal für seinen ambulanten Pflegedienst. Aber stopp – Mütter und Pflegedienst, beißt sich da nicht etwas? Die gängige Meinung ist doch, dass die Arbeit in der Pflege sich nur schlecht mit der Familie vereinbaren lässt und nun sucht der ASB explizit Mütter.
Das machte mich neugierig und ich habe einfach bei Herrn Calliebe, dem Pflegedienstleiter vom Kreisverband Nürnberg-Fürth nachgefragt.

Wie kamen Sie dazu Mütter zu suchen bzw. wie ist es möglich, dass Ihre angebotenen Arbeitszeiten sich mit der Familie vereinbaren lassen?

Wir haben in Nürnberg ein Team für die Pflege und eines für die Hauswirtschaft. Die Hauswirtschaft, also die Hilfe im Haushalt, lässt sich beispielsweise generell mit Müttern besetzen, da hier keine Schicht gearbeitet wird. Sie beginnen kurz nach acht und haben vor 16.00 Uhr Schluss.
Im Pflegedienst ermöglicht der Zusammenhalt im Team und gute Organisation die Mütterschichten. Der ASB in Coburg hat seit längerem reine Mutter-Kind-Touren, deren Arbeitszeiten nur vormittags und ohne Wochenendschicht sind. Wenn das Team das mitträgt ist alles machbar.
Haben Sie die Wahl zwischen einer weiteren Kollegin, die das Team entlastet, die jedoch nur eingeschränkt arbeiten kann oder gar keiner Unterstützung, so wählen viele Teams die Einstellung einer Kollegin und tragen so die Entscheidung mit.

Wie gehen Sie generell mit Fachkräftemangel um?

Früher haben wir viel über Zeitarbeit geregelt, das mittlerweile allerdings komplett eingestellt wurde. Lieber stellen wir motivierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auch als Minijobber und Teilzeitkräfte ein. Studenten, die nur an ein bis zwei Tagen die Woche arbeiten können, sind bei entsprechender Qualifikation bei uns auch immer im Team willkommen.
Diese vielen Arbeitszeitmodelle machen es uns leichter Personal zu finden, jedoch wird hierdurch auch meine Organisationsfähigkeit mehr gefordert. Ich muss eine langfristige Personalplanung machen und mit meinen Mitarbeitern stets kommunizieren und ihre Bedürfnisse kennen. Wir müssen immer wieder Kompromisse machen um einen für alle machbaren Dienstplan zu erstellen. Wir haben auch einen Wunschdienstplan eingeführt. Bei wichtigen Terminen können die Mitarbeiter hier im Vorfeld ihre Wunschschichten eintragen. Dieser wird allerdings eher sporadisch und nur bei wichtigen Ereignissen, wie Familienfeiern etc. genutzt.
Für Mitarbeiter, die in der Pflege arbeiten möchten, jedoch keinen Führerschein haben, gibt es spezielle Fahrradtouren im nahen Umkreis unseres Standortes. Hierzu hat der ASB Fahrräder und die entsprechende Ausrüstung z.B. wetterfeste Kleidung, angeschafft.
Zusätzlich versuche ich meine Mitarbeiter immer wertschätzend und respektvoll zu behandeln. Seit ich hier Pflegedienstleitung bin, haben wir auch unsere Räumlichkeiten umgestaltet um eine positivere Arbeitsatmosphäre zu generieren.

Welche Erfahrungen haben Sie durch die Umgestaltung gemacht?

Wie bereits erwähnt, decken wir unseren gesamten Personalbedarf durch interne Kräfte ab, also nicht mehr über Leiharbeiter. Unser Krankenstand ist auch sehr niedrig. Selbst ältere Mitarbeiter, denen man oft Wehwehchen nachsagt, sind nicht mehr krank als andere. Ich persönlich arbeite auch unwahrscheinlich gerne mit erfahrenen Kräften zusammen, da sie einfach mal über den Tellerrand schauen.
Des Weiteren konnten wir innerhalb eines Jahres unsere Dienstleistungen im hauswirtschaftlichen Bereich vervierfachen und unseren Umsatz beim Pflegedienst steigern. Das alles ist nur mit einem guten Team möglich. Das tolle Team wirkt sich auch wieder auf die Kundenzufriedenheit aus.

Was sind die wichtigsten Punkte für Sie im Umgang mit Personal?

Eine gute Beziehungsarbeit und Kommunikation mit den Mitarbeitern und noch bessere Organisation. Dazu kommt die Verlässlichkeit hinsichtlich einer pünktlichen und fairen Bezahlung

Ein ganz herzliches Dankeschön an Herrn Calliebe und dass er mich hinter die Kulissen schauen ließ!

Fazit: Auch in der Pflege ist Vereinbarkeit möglich! Es kommt nur auf die Organisation der Führungskraft und des Teams an! Und ein gutes Team muss gepflegt werden. Spricht sich das herum, kommt weiteres Personal oft fast von alleine!

 

 

29 Jan

Liebe Mamas, verkauft euch nicht unter Wert..

Vor kurzem hatte ich erst wieder eine Mama vor mir sitzen – studiert, langjährige Berufserfahrung, konstanter Lebenslauf, die mir doch tatsächlich erzählt hat: „Ja, beim Bäcker zu arbeiten, das habe ich mir auch schon überlegt.“ Eigentlich verrückt, für ein bisschen Vereinbarkeit (wobei die Arbeit bei einem Bäcker nicht wirklich vereinbar ist) und vielleicht noch Wohnortnähe, würde frau einen Kompromiss eingehen, der weit unter ihrem Qualifikationsniveau ist. Über das Gehalt brauche ich, denke ich, gar nichts zu schreiben. Aber warum denken viele Mütter so? Wir haben doch nicht mit der Geburt unseres Kindes das Hirn abgegeben?
Liegt es daran, dass viele Mütter in der Elternzeit nur mit Müttern die Zeit verbringen und frau sich gegenseitig „runterzieht“? Oder sind Mütter es gewohnt sich hintenanzustellen, dass sie es ab sofort auch im Job machen?
Kann es vielleicht auch sein, dass viele Angst vor Absagen haben? Überall steht geschrieben, Mütter werden bei der Bewerberauswahl benachteiligt – was leider auch oftmals stimmt – und so begibt man sich gleich gar auf Jobsuche.
Nicht mehr ganz in unsere Zeit passend ist auch die Aussage, frau müsse sich um die Kinder, den Mann und den Haushalt kümmern. Die durfte ich mir jedoch auch schon anhören. Über diese Einstellung lässt sich streiten. Würde die Ehe bis das der Tod sie scheidet andauern, ist das natürlich gut und auch einfach Arbeitsteilung. Nur leider ist das nicht der Fall und bei einer Trennung hat frau nichts davon.
Ein weiterer Grund, der sogar nachweißbar wäre, ist, es gibt einfach nicht genügend Teilzeitstellen für gut qualifizierte Mamas. Ich weiß nicht, weshalb oft Stellen grundsätzlich in Vollzeit ausgeschrieben werden und es gibt daran auch nicht zu rücken. Jobsharing ist hier die Lösung und proaktives Vorgehen z.B. über Tandemploy.

Viele Gründe, die ich gerade angesprochen habe, sind Vermutungen. Vielleicht könnt ihr mir noch weitere Gründe schreiben.
Dies ändert aber nichts daran, wenn Mamas sich unter Wert verkaufen. Ich weiß nur, auf Dauer wird frau damit nicht glücklich und nach Jahren wieder in den alten Job zurückzukommen, wo frau dazwischen rumgejobbt hat, ist sehr schwer.

Also mein Tipp für alle Mamas: Verkauft euch nicht unter Wert! Macht euch klar, was ihr könnt und auch welche Erfahrungen ihr mit Hilfe eurer Kinder gemacht habt. Steht zu eurem Lebensmodell und dann wartet ihr eben etwas länger auf den passenden Job. Aber nehmt nicht den erstbesten an – der richtige kommt! Ohne Kinder würdet ihr das auch nicht machen, oder?

 

Bild: pixabay

 

14 Dez

Sie haben 3 Kinder? Hätte ich das gewusst…

…dann hätte ich sie nicht zum Bewerbungsgespräch eingeladen.

Aber nun mal von vorne:

Wie ihr bestimmt mitbekommen habt, coache ich seit Mitte des Jahres Mamas in den Job. Bei so mancher sind es ein paar Stellschrauben, die man drehen muss oder es fehlt nur am Mut selbstbewusst eine Mama zu sein. Doch gibt es immer wieder Erlebnisse, die einfach total daneben sind. So auch die Geschichte einer Mutter bei mir im Coaching. Wir nennen sie mal Franzi.

Franzi hat vor ihrer Mutterschaft sehr lange bei einer guten Textileinzelhandelskette gearbeitet, die sehr sehr viel Wert auf Kundenberatung legt. Dementsprechend toll kann sie verkaufen und sie ist stets modisch gekleidet (sollte ich mir mal was davon abschneiden).
Jetzt sucht sie eine Teilzeitstelle im Einzelhandel und hatte, nachdem wir den Lebenslauf und Anschreiben überarbeitet haben, auch schon einige Vorstellungsgespräche. Probegearbeitet hat sich auch bereits, vor über einem Monat, aber bis heute keine Info erhalten ob sie den Job hat oder nicht. Begeistert waren sie dort jedenfalls.
Auch bekam sie auf jede Bewerbung immer eine Eingangsbestätigung, aber Absagen sind oft Fehlanzeige. Die beste Bestätigung war, dass wenn sie nach vier Wochen nichts vom Unternehmen hört, sie es als Absage werten kann.
Und nun zum Abschuss: Ein Vorstellungsgespräch bei einem Textilunternehmen. Sogar flexibel könnte sie sein, da sie nebenan wohnt. Am Telefon war die Bezirksleiterin schon nicht wirklich ein Sympathieträger, also fiel die Vorbereitung auf das Gespräch so gründlich wie noch nie aus.
Zitat der Bezirksleitung: Wie sie haben 3 Kinder? Hätte ich das gewusst, hätte ich sie gar nicht eingeladen. Das müssen sie in den Lebenslauf schreiben. Die Zeit für das Gespräch hätten ich mir sparen können, denn mit 3 Kindern sind sie nicht flexibel. Nicht dass ich keine Kinder mag…

Verrückt, aber was man als jobsuchende Mutter aushalten muss, vor allem wenn man im Einzelhandel arbeiten möchte. Sie macht den Beruf zudem gerne macht und will folglich auch nicht umschulen. Wir machen einfach weiter. Irgendwann kommt der richtige Arbeitgeber.
Zukünftig sollte so manche Mama auch Frustrationstoleranz als Kompetenz in ihre Bewerbung schreiben!

P.S: Das Bild zeigt den Ausschnitt eines Bewerbungsformular eines Einzelhandelsunternehmens. Im Rahmen der Anmeldung (Pflegeversicherung) macht die Abfrage der Geburtsurkunde Sinn, aber ob das bei Bewerbung sein muss? Die Sozialversicherungsnummer fragen sie auch nicht ab…