24 Apr

Vereinbarkeit und Pflegeberufe? Geht das? – Ein Interview mit dem Pflegedienstleiter des ASB.

„Mama gesucht“ – mit dieser Überschrift wirbt der Arbeiter-Samariter-Bund Bad Windsheim um Personal für seinen ambulanten Pflegedienst. Aber stopp – Mütter und Pflegedienst, beißt sich da nicht etwas? Die gängige Meinung ist doch, dass die Arbeit in der Pflege sich nur schlecht mit der Familie vereinbaren lässt und nun sucht der ASB explizit Mütter.
Das machte mich neugierig und ich habe einfach bei Herrn Calliebe, dem Pflegedienstleiter vom Kreisverband Nürnberg-Fürth nachgefragt.

Wie kamen Sie dazu Mütter zu suchen bzw. wie ist es möglich, dass Ihre angebotenen Arbeitszeiten sich mit der Familie vereinbaren lassen?

Wir haben in Nürnberg ein Team für die Pflege und eines für die Hauswirtschaft. Die Hauswirtschaft, also die Hilfe im Haushalt, lässt sich beispielsweise generell mit Müttern besetzen, da hier keine Schicht gearbeitet wird. Sie beginnen kurz nach acht und haben vor 16.00 Uhr Schluss.
Im Pflegedienst ermöglicht der Zusammenhalt im Team und gute Organisation die Mütterschichten. Der ASB in Coburg hat seit längerem reine Mutter-Kind-Touren, deren Arbeitszeiten nur vormittags und ohne Wochenendschicht sind. Wenn das Team das mitträgt ist alles machbar.
Haben Sie die Wahl zwischen einer weiteren Kollegin, die das Team entlastet, die jedoch nur eingeschränkt arbeiten kann oder gar keiner Unterstützung, so wählen viele Teams die Einstellung einer Kollegin und tragen so die Entscheidung mit.

Wie gehen Sie generell mit Fachkräftemangel um?

Früher haben wir viel über Zeitarbeit geregelt, das mittlerweile allerdings komplett eingestellt wurde. Lieber stellen wir motivierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auch als Minijobber und Teilzeitkräfte ein. Studenten, die nur an ein bis zwei Tagen die Woche arbeiten können, sind bei entsprechender Qualifikation bei uns auch immer im Team willkommen.
Diese vielen Arbeitszeitmodelle machen es uns leichter Personal zu finden, jedoch wird hierdurch auch meine Organisationsfähigkeit mehr gefordert. Ich muss eine langfristige Personalplanung machen und mit meinen Mitarbeitern stets kommunizieren und ihre Bedürfnisse kennen. Wir müssen immer wieder Kompromisse machen um einen für alle machbaren Dienstplan zu erstellen. Wir haben auch einen Wunschdienstplan eingeführt. Bei wichtigen Terminen können die Mitarbeiter hier im Vorfeld ihre Wunschschichten eintragen. Dieser wird allerdings eher sporadisch und nur bei wichtigen Ereignissen, wie Familienfeiern etc. genutzt.
Für Mitarbeiter, die in der Pflege arbeiten möchten, jedoch keinen Führerschein haben, gibt es spezielle Fahrradtouren im nahen Umkreis unseres Standortes. Hierzu hat der ASB Fahrräder und die entsprechende Ausrüstung z.B. wetterfeste Kleidung, angeschafft.
Zusätzlich versuche ich meine Mitarbeiter immer wertschätzend und respektvoll zu behandeln. Seit ich hier Pflegedienstleitung bin, haben wir auch unsere Räumlichkeiten umgestaltet um eine positivere Arbeitsatmosphäre zu generieren.

Welche Erfahrungen haben Sie durch die Umgestaltung gemacht?

Wie bereits erwähnt, decken wir unseren gesamten Personalbedarf durch interne Kräfte ab, also nicht mehr über Leiharbeiter. Unser Krankenstand ist auch sehr niedrig. Selbst ältere Mitarbeiter, denen man oft Wehwehchen nachsagt, sind nicht mehr krank als andere. Ich persönlich arbeite auch unwahrscheinlich gerne mit erfahrenen Kräften zusammen, da sie einfach mal über den Tellerrand schauen.
Des Weiteren konnten wir innerhalb eines Jahres unsere Dienstleistungen im hauswirtschaftlichen Bereich vervierfachen und unseren Umsatz beim Pflegedienst steigern. Das alles ist nur mit einem guten Team möglich. Das tolle Team wirkt sich auch wieder auf die Kundenzufriedenheit aus.

Was sind die wichtigsten Punkte für Sie im Umgang mit Personal?

Eine gute Beziehungsarbeit und Kommunikation mit den Mitarbeitern und noch bessere Organisation. Dazu kommt die Verlässlichkeit hinsichtlich einer pünktlichen und fairen Bezahlung

Ein ganz herzliches Dankeschön an Herrn Calliebe und dass er mich hinter die Kulissen schauen ließ!

Fazit: Auch in der Pflege ist Vereinbarkeit möglich! Es kommt nur auf die Organisation der Führungskraft und des Teams an! Und ein gutes Team muss gepflegt werden. Spricht sich das herum, kommt weiteres Personal oft fast von alleine!

 

 

20 Feb

Hilfe, wer betreut mein Kind?

Ich glaube, diesen Hilferuf hat bisher jede Mama oder Papa schon mal ausstoßen. Ob es nun um eine generelle Betreuung geht, die zum Job passt, bei Krankheit der Kinder oder in den sogenannten Randzeiten, wir kamen alle schon an unsere Organisationsgrenzen.
Um der ganzen Panik, die in solchen Situationen oft herrscht, die Luft zu nehmen, stelle ich euch ein Paar Adressen vor, die zumindest als Startpunkt eurer Recherchen und des darauffolgenden Telefonmarathons dienen können.

Freie Betreuungsplätze

Der Job nach der Elternzeit kommt doch schneller als gedacht oder man zieht um, dann könnt ihr euch über freie Betreuungsplätze auf folgenden Internetseiten informieren:

Freie Plätze in Nürnberg

Freie Plätze in Fürth

Freie Plätze in Erlangen

Darüber hinaus lohnt sich immer ein Anruf beim fmf-familienbüro in Stein (Tel. 0911 – 2552990) . Hier können euch Tagesmütter vermittelt werden, die teilweise bis ins Schulkindalter betreuen. Vielleicht eine interessante und vor allem flexiblere Alternative zum Hort.
Zudem vermitteln sie zu Großtagespflegestellen und Waldgruppen.

Flexible Betreuungsmöglichkeiten

Benötigt ihr nur ab und zu Unterstützung oder einen Babysitter, so könnt ihr euch an folgende Stellen wenden:

Fürth: Mütterzentrum Fürth (Babysitter, Spielgruppen, Omas gute Stube)

Nürnberg: BRK Kreisverband Nürnberg-Stadt (Babysitter)

Überregional: Bezirksjugendwerk der AWO Ober- und Mittelfranken (Babysitter, Ferienbetreuung)

Randzeitenbetreuung

Die Kita macht um 16.30 zu und man muss bis 17.00 arbeiten – eine schwierige Situation, die mittlerweile immer mehr Eltern trifft.
Hierzu hat das Mütterzentrum in Fürth das Betreuungsnetzwerk / Randzeitenbetreuung ins Leben gerufen. Ihr erreicht Frau Schieche oder Frau Wenzel unter Tel. 0911-772799.

Ebenfalls bieten einige Tagesmütter des fmf-familienbüros Randzeitenbetreuung an.
Tel. 0911 255 2990

In Erlangen ist das Erlanger Bündnis für Familien ein guter Anlaufpunkt. Hier wird einem ebenfalls geholfen die Randzeiten zu organisieren. Tel. 0 91 31 – 86-16 86
Als Alleinerziehende/r kann man in Erlangen auch einen Zuschuss zur Randzeitenbetreuung erhalten.

Notmütter und -väter

Wenn ein Kind krank ist oder sogar man selbst flach liegt, springen Notmütter und -väter ein. Im Falle der eigenen Krankheit können sogar dir Kosten – oder ein Teil – von der Krankenkasse übernommen werden.
In Fürth ist hier auch das Mütterzentrum (Karin Baer 0911 – 475 49 48) für die Organisation zuständig und in Erlangen das Bündnis für Familien mit dem Känguru-Team (Tel. 0160 – 90 23 04 85).
In Nürnberg gibt es die Familienpflege Nürnberg Tel. 0911- 28 43 05.
Überregional hilfet der Notmütterdienst der Familien- und Seniorenhilfe e.V.

 

Wie oben schon angemerkt, die Liste ist keineswegs komplett und es gibt bestimmt noch weitere Anlaufstellen.

Und nun wünsche ich euch viel Kraft und Ausdauer bei der Organisation eurer Kinderbetreuung!

Eure Astrid von Mama sucht Arbeit

P.S.: Habt ihr mit der einen oder anderen Institution schon Erfahrung gemacht? Schreibt mir doch über eure Erfahrungen und helft so anderen Eltern bei Ihrer Suche!

Bild: pixabay.de – TJENA

29 Jan

Liebe Mamas, verkauft euch nicht unter Wert..

Vor kurzem hatte ich erst wieder eine Mama vor mir sitzen – studiert, langjährige Berufserfahrung, konstanter Lebenslauf, die mir doch tatsächlich erzählt hat: „Ja, beim Bäcker zu arbeiten, das habe ich mir auch schon überlegt.“ Eigentlich verrückt, für ein bisschen Vereinbarkeit (wobei die Arbeit bei einem Bäcker nicht wirklich vereinbar ist) und vielleicht noch Wohnortnähe, würde frau einen Kompromiss eingehen, der weit unter ihrem Qualifikationsniveau ist. Über das Gehalt brauche ich, denke ich, gar nichts zu schreiben. Aber warum denken viele Mütter so? Wir haben doch nicht mit der Geburt unseres Kindes das Hirn abgegeben?
Liegt es daran, dass viele Mütter in der Elternzeit nur mit Müttern die Zeit verbringen und frau sich gegenseitig „runterzieht“? Oder sind Mütter es gewohnt sich hintenanzustellen, dass sie es ab sofort auch im Job machen?
Kann es vielleicht auch sein, dass viele Angst vor Absagen haben? Überall steht geschrieben, Mütter werden bei der Bewerberauswahl benachteiligt – was leider auch oftmals stimmt – und so begibt man sich gleich gar auf Jobsuche.
Nicht mehr ganz in unsere Zeit passend ist auch die Aussage, frau müsse sich um die Kinder, den Mann und den Haushalt kümmern. Die durfte ich mir jedoch auch schon anhören. Über diese Einstellung lässt sich streiten. Würde die Ehe bis das der Tod sie scheidet andauern, ist das natürlich gut und auch einfach Arbeitsteilung. Nur leider ist das nicht der Fall und bei einer Trennung hat frau nichts davon.
Ein weiterer Grund, der sogar nachweißbar wäre, ist, es gibt einfach nicht genügend Teilzeitstellen für gut qualifizierte Mamas. Ich weiß nicht, weshalb oft Stellen grundsätzlich in Vollzeit ausgeschrieben werden und es gibt daran auch nicht zu rücken. Jobsharing ist hier die Lösung und proaktives Vorgehen z.B. über Tandemploy.

Viele Gründe, die ich gerade angesprochen habe, sind Vermutungen. Vielleicht könnt ihr mir noch weitere Gründe schreiben.
Dies ändert aber nichts daran, wenn Mamas sich unter Wert verkaufen. Ich weiß nur, auf Dauer wird frau damit nicht glücklich und nach Jahren wieder in den alten Job zurückzukommen, wo frau dazwischen rumgejobbt hat, ist sehr schwer.

Also mein Tipp für alle Mamas: Verkauft euch nicht unter Wert! Macht euch klar, was ihr könnt und auch welche Erfahrungen ihr mit Hilfe eurer Kinder gemacht habt. Steht zu eurem Lebensmodell und dann wartet ihr eben etwas länger auf den passenden Job. Aber nehmt nicht den erstbesten an – der richtige kommt! Ohne Kinder würdet ihr das auch nicht machen, oder?

 

Bild: pixabay

 

14 Dez

Sie haben 3 Kinder? Hätte ich das gewusst…

…dann hätte ich sie nicht zum Bewerbungsgespräch eingeladen.

Aber nun mal von vorne:

Wie ihr bestimmt mitbekommen habt, coache ich seit Mitte des Jahres Mamas in den Job. Bei so mancher sind es ein paar Stellschrauben, die man drehen muss oder es fehlt nur am Mut selbstbewusst eine Mama zu sein. Doch gibt es immer wieder Erlebnisse, die einfach total daneben sind. So auch die Geschichte einer Mutter bei mir im Coaching. Wir nennen sie mal Franzi.

Franzi hat vor ihrer Mutterschaft sehr lange bei einer guten Textileinzelhandelskette gearbeitet, die sehr sehr viel Wert auf Kundenberatung legt. Dementsprechend toll kann sie verkaufen und sie ist stets modisch gekleidet (sollte ich mir mal was davon abschneiden).
Jetzt sucht sie eine Teilzeitstelle im Einzelhandel und hatte, nachdem wir den Lebenslauf und Anschreiben überarbeitet haben, auch schon einige Vorstellungsgespräche. Probegearbeitet hat sich auch bereits, vor über einem Monat, aber bis heute keine Info erhalten ob sie den Job hat oder nicht. Begeistert waren sie dort jedenfalls.
Auch bekam sie auf jede Bewerbung immer eine Eingangsbestätigung, aber Absagen sind oft Fehlanzeige. Die beste Bestätigung war, dass wenn sie nach vier Wochen nichts vom Unternehmen hört, sie es als Absage werten kann.
Und nun zum Abschuss: Ein Vorstellungsgespräch bei einem Textilunternehmen. Sogar flexibel könnte sie sein, da sie nebenan wohnt. Am Telefon war die Bezirksleiterin schon nicht wirklich ein Sympathieträger, also fiel die Vorbereitung auf das Gespräch so gründlich wie noch nie aus.
Zitat der Bezirksleitung: Wie sie haben 3 Kinder? Hätte ich das gewusst, hätte ich sie gar nicht eingeladen. Das müssen sie in den Lebenslauf schreiben. Die Zeit für das Gespräch hätten ich mir sparen können, denn mit 3 Kindern sind sie nicht flexibel. Nicht dass ich keine Kinder mag…

Verrückt, aber was man als jobsuchende Mutter aushalten muss, vor allem wenn man im Einzelhandel arbeiten möchte. Sie macht den Beruf zudem gerne macht und will folglich auch nicht umschulen. Wir machen einfach weiter. Irgendwann kommt der richtige Arbeitgeber.
Zukünftig sollte so manche Mama auch Frustrationstoleranz als Kompetenz in ihre Bewerbung schreiben!

P.S: Das Bild zeigt den Ausschnitt eines Bewerbungsformular eines Einzelhandelsunternehmens. Im Rahmen der Anmeldung (Pflegeversicherung) macht die Abfrage der Geburtsurkunde Sinn, aber ob das bei Bewerbung sein muss? Die Sozialversicherungsnummer fragen sie auch nicht ab…

 

04 Jul

Ferienbetreuung – damit Mama und Papa sorgenfrei arbeiten können

Es sind nicht mal mehr 4 Wochen und dann stehen die großen Ferien ins Haus. Bis zu sechs Wochen Kinderbetreuung, die organisiert werden müssen.
Um die Auswahl ein bisschen zu erleichtern, habe ich mich schlau gemacht und stelle hier kurz verschiedene Anbieter vor.

Beginnen wir mit Fürth:

Sommerferienbetreuung vom 31.07. – 25.08. im Jugendhaus Hardhöhe
Es werden 6-12 jährige Kinder von 7.30 bis 17.00 Uhr und Freitags bis 15.30 Uhr betreut.
Das besondere daran ist, dass manche Arbeitgeber die Hälfte der Kosten übernehmen.

English Summer Camp Fürth Burgfarrnbach
Kids von der 2. – 7. Klasse lernen vom 31.07 – 08.09. spielerisch Englisch.

Eddy´s Fußball Camps
Kicken in den Ferien, was gibt es schöneres für Kids zwischen 7 und 12 Jahren

 

Und nun zu Nürnberg:

Ferienbetreuung der Stadt Nürnberg
Eine Vielzahl von Möglichkeiten steht den Kindern hier offen. Die Anmeldung hat gerade erst begonnen!

English Summer Camp Nürnberg Nord und Nürnberg Süd
Auch hier geht es für Kids von der 2 bis zur 7. Klasse ums Englischsprechen.

Kletter- oder Sportcamp im Sportcentrum Nürnberg
5 Tage pro Woche Bewegung und Spaß für Kinder von 5 – 13 Jahre.

 

Zu guter Letzt noch Erlangen:

Hier durfte ich selbst mal einen Tag verbringen:
Jugendfarm Erlangen
Für Kinder von 6 bis 12 Jahren wird ein abwechslungsreiches Programm geboten

 

Das war nun eine kleine Auswahl an Möglichkeiten den Kindern trotz Arbeit coole Ferien zu bieten. Aber wie man sieht ist für jeden etwa dabei und falls doch nicht, gibt das Internet noch viel mehr her!

03 Mai

Bewerber /-innen – Tag

Am 23.05.2017 bin ich beim Bewerbertag des MGH Mütterzentrums Fürth in der Gartenstr. 14 als Kooperationspartner.

Zwischen 11.00 und 16.00 Uhr könnt ihr euch über meine Arbeit informieren und unkompliziert, ohne Voranmeldung in meine Datenbank aufnehmen lassen. (Zur Info: bisher konnten daraus schon zwei Mütter glücklich in neue Jobs vermittelt werden!)

Solltet ihr Fragen hierzu haben, schickt mir einfach eine Nachricht.

Ich freue mich auf euch!

P.S: An diesem Tag könnt ihr euch auch direkt beim MGH Mütterzentrum als Betreuer/-innen, Notmütter oder Haushaltshilfen (m/w) bewerben.

31 Dez

Vereinbarkeit bedeutet für mich…

  • flexible Arbeitszeiten
  • selbstverantwortliche Termin- und Zeitplanung
  • Geben und Nehmen im Team
  • auch mal Nein sagen zu können
  • trotz Teilzeit Karrierechancen (das Kind ist schließlich nicht immer klein)
  • pünktlich das Kind aus der KiTa abholen können
  • Möglichkeit auf Homeoffice
  • mich nicht verbiegen müssen
  • Spaß an der Arbeit haben

…und bestimmt mit wachsenden Herausforderungen noch mehr.

So manche(r) würde nun auch bestimmt weitere Punkte anführen können. Ich habe mir dazu ebenfalls viele Gedanken dazu gemacht. Hätte man mich vor einem Jahr gefragt, was Vereinbarkeit bedeutet, wäre die Liste wesentlich länger ausgefallen. Zu dieser Zeit war ich mit dem Papa des kleinen Mannes noch mehr oder weniger zusammen und Vereinbarkeit war ständige Diskussion, wer auf was verzichtet bzw. andauerndes Gefrage meinerseits, ob ich nicht diesen oder jenen Termin außer der Reihe annehmen könnte. Da wirkt das Thema Vereinbarkeit tief in die Beziehung hinein.
Ich ziehe hier vor allen Eltern den Hut, wenn beide arbeiten und sie sich alles teilen und ich meine hier auch alles. Also kein Pseudo-Geteile wo Frau Teilzeit arbeitet und so gesehen trotzdem eine klassische Rollenverteilung herrscht.

Ich bin heute froh, dass ich nur diese kleine Liste habe, ohne Beziehungsgedöns. Es war sehr schwer sich damit abzufinden und ein langer Weg für mich zu akzeptieren, dass ich mich alleine um den kleinen Mann und mich kümmern muss. Wenn man das jedoch mal erkannt hat ergibt sich so manch neue Perspektive…

Vereinbarkeit ist somit auch „Einstellung“.

 

23 Nov

Besuch auf der Messe „Vereinbarkeit Beruf und Familie“

Um zehn bin ich gemütlich bei der Messe im Karl-Bröger-Haus aufgeschlagen und musste feststellen, dass es weniger eine Messe ist, mehr eine Vortragsreihe mit Infoständen. Schade, denn da es im Vorfeld kein Programm gab, hatte ich leider den Vortrag von Aniko Willems: „Kraftvoll und stimmig!- Ziele setzen, die zu Ihnen passen!“ verpasst. Ich denke, das war der beste des ganzen Vormittags. Die weiteren Vorträge richteten sich eher an Frauen und Männer, die länger nicht im Erwerbsleben waren oder nochmals eine Ausbildung in Teilzeit machen wollten. Also eher eine Infoveranstaltung für Mütter und Väter, wie sie wieder in den Beruf finden. Dementsprechend war auch am Stand von unserem Mütterzentrum und MGH Fürth, der die Vereinbarkeit unterstützt, wenig los. Man benötigt noch keine Haushaltsnahen Dienstleistungen, wenn kein Job in Aussicht ist. Die Alternative als Dienstleister zu arbeiten hat auch niemanden vom Hocker gehauen. Zitat einer Dame:“ Ich putze schon genug zuhause, warum soll ich noch bei anderen putzen? Ich will im Büro arbeiten, so wie alle anderen auch.“
Der Titel der Messe war somit leider etwas irreführend und hätte eher Messe für Wiedereinsteiger genannt werden können.

Aber jetzt zu mir. Mein Gespräch mit Frau Willems war fantastisch. Sie hat zwei Kinder, ist alleinerziehend und zieht gerade ein neues Start-up hoch. Meine Hochachtung! Ihr Projekt Balanced Working Mom, kurz bawom, ist eine Online-Training um die Resilienz von arbeitenden Müttern zu stärken. Sie weiß genau wovon sie redet, da sie es täglich am eigenen Leib erfährt. Das erste Training findet im nächsten Frühjahr statt und ich bin gespannt. Wenn ich Zeit finde, darf ich es vorher sogar mal testen.

Danach durfte ich noch eine nette Unterhaltung mit Frau Säuberlich von der Agentur für Arbeit führen. Wer meinen Posts auf Facebook folgt, bekommt mit, wie sehr ich hin und her gerissen bin, ob man sein Kind im Lebenslauf erwähnen soll oder nicht. Sie meint das sollte erst im Vorstellungsgespräch auf den Tisch kommen, also weglassen. Man sollte mit seinem Fachwissen und Fähigkeiten überzeugen! Genauso empfiehlt sie Weiterbildungen auf dem Stand der Zeit zu bleiben. Hinsichtlich Weiterbildungen gehe ich mit ihr Konform, jedoch mein Kind bleibt im Lebenslauf.

Jedes Kind macht seine Mutter bzw. Eltern doch erst zu dem was sie ist / sind.
Ohne mein Kind wäre ich heute nicht Vorstand im Mütterzentrum und MGH, ich würde viele fantastische Menschen nicht kennen. Ohne meinem Kind wäre ich auch nicht auf der Messe gestern gewesen. Mein Kind ist also ständig präsent auch wenn es nicht bei mir ist. Es ist wichtig in meinen Augen das zu erkennen, dass man mit Kind nicht mehr der oder die selbe ist. Das ist aber nicht schlecht. Gestern kam mir teilweise alles so vor, als ob man die Kinder kaschieren, die Hindernisse so gut wie möglich kontrollieren möchte um mit den kinderlosen Mitmenschen gleich zu sein. Aber ich bin nicht gleich. Und das ist gut so.

Fazit: Es waren (für mich) weniger interessante Vorträge, nette Gespräche und ich weiß, was ich nicht tun werde.

16 Nov

Über mich

Ich könnte nun so viel über meine Recherchen in den letzten Wochen und Monaten schreiben, über Bewerben, Absagen – oder auch keine Absagen, seltsamen Bewerbungsgesprächen etc. aber ich beginne einfach mal von vorne.

Ihr wollt schließlich wissen, wer hier schreibt, oder?
(Ach ja, ich habe mich entschlossen euch zu duzen. Wer sich daran stört, möge es mir bitte nicht übelnehmen, nur in Mütterkreisen wird eigentlich meistens geduzt.)

Wie man auf dem Bild unschwer erkennen kann, bin ich auch eine von denen – den Müttern. Allerdings bin ich keine von den „ich sitze den ganzen Tag am Spielplatz mit meinem Kind“ Müttern, geschweige denn kenne ich mich mit Krabbelgruppen oder ähnlichem aus. Warum? Ich habe stets gearbeitet. War selbständig, hatte keinen Mutterschutz und auch keine Elternzeit. Die Kunden warten leider nicht. Sie suchen sich, wenn du nicht sofort bereitstehst, einfach einen neuen Dienstleister.
Wie in dem Artikel „Mutter mit Führungsposition? Wie überzeuge ich den Arbeitgeber“ von Karin Leitmüller empfohlen, habe ich auch nochmals studiert. Also volles Programm.

Genau deswegen musste ich mich auch irgendwann entscheiden wo ich reduziere. Da sich meine Arbeitszeiten mit den Kinderbetreuungszeiten nicht vereinbaren ließen – die Bildungsbranche macht überwiegend am Abend Umsatz – und der Papa nicht übernehmen konnte, verkaufte ich mein Bildungsinstitut.

So, und nun suche ich eine neue Arbeit, die besser mit dem Mäuschen vereinbar ist. Was durch meine Qualifikation und dem Fachkräftemangel doch kein Problem sein dürfte? Dass das nicht leicht wird, war mir klar. Aber so voller Hürden und Vorurteilen hätte ich nicht gedacht. Deshalb möchte ich euch mitnehmen und hoffe, wir können uns gemeinsam unterstützen und Ideen finden, wie es für viele Mamas leichter wird.

Eure Astrid